TOGG: Einschätzungen zur neuen E-Auto-Marke

  • Hallo,

    mein Thema hat hier zwar keinen direkten Bezug zum Forum oder zur Automarke Suzuki, aber ich hoffe trotzdem auf interessante Gespräche. Ich bin einer der ersten im deutschsprachigen Raum, der ein Forum bzw. einen Blog zur Automarke TOGG betreibt. Kennt Ihr die Marke TOGG bereits? Wie ist eure Einschätzung zu dem Hersteller und seinen Fahrzeugen?

    Mich interessieren insbesondere eure Meinungen zu folgenden Punkten:

    • Erste Eindrücke des Designs und der technischen Ausrichtung
    • Chancen von TOGG im europäischen Markt
    • Vergleich zu etablierten Elektroauto-Herstellern
    • Erfahrungen, falls jemand bereits Kontakt mit der Marke hatte (z. B. Messen, Probefahrten, Medienberichte)

    TOGG ist ein reiner Elektroauto-Hersteller und versucht aktuell, sich international zu positionieren. Ich finde das Projekt sehr spannend und würde mich über eine sachliche Diskussion hier im Forum freuen.

    Was denkt Ihr: hat TOGG Potenzial, sich langfristig in Europa zu etablieren?

    Ich freue mich auf eure Beiträge und Erfahrungen.

  • Generell hängt der Marke der Muff an, von einem "Staatschef" in Auftrag gegeben, anstatt aus Herzblut geboren worden zu sein. Man sieht den Fahrzeugen auch an dass keiner dafür verantwortlich sein wollte den Chef verärgert zu haben.

    Auch technisch gesehen würde ich ein Fahrzeug mit NMC Batterietechnik maximal leasen. Davon abgesehen dass ich auch keine 45k für ein Auto ausgeben würde, Mittelklasse geht bei mir maximal stark gebraucht.

    Kann sein dass die Fahrzeuge ihre Abnehmer finden, aber ich bin sicher keiner davon.

  • Auf Grund der Tasache das ich seit ein paar Wochen nicht mehr Arbeiten gehen darf und somit auch nurnoch einen Bruchteil der damaligen Kilometer fahre, bin ich froh noch 2 Fahrzeuge zu haben die ich hoffentlich noch lange und bis zu meinem Gang in die Holzkiste nutzen kann.


    Ich habe auch einfach keine Lust mich mit dieser Antriebstechnik zu beschäftigen. Zudem habe ich kein Bock auf Bevormundung und "Raumschiff Enterprise" was Technik und Steuerung angeht.

    - För livets alla äventurer -

    Vitara LY 1.6 Limited Allgrip 2017 aktuell 31tkm - Vitara LY 1.6 Comfort+ Allgrip 2018 aktuell 234tkm

  • Da die Energiespeicherung in Form der Ladungstrennung (Akku) der in Form von Oxidationsenergie weit unterlegen ist (Kosten, Gewichte, Reichweite, Aufladezeit), viele Li-Akkus noch immer ein Problem mit dem thermischen Durchgehen haben und die Langzeithaltbarkeit für mich als Wenigfahrer mit gepflegten, alten Fahrzeugen noch nicht überzeugend ist, kommt ein BEV für mich nicht infrage. Mit sicheren, preiswerten kleinen Pufferakkus hat ein Mildhybrid im Stadtverkehr einige Vorteile. Kosten und Akkuhaltbarkeit sind bei meinem Nutzungsprofil aber auch dafür ein Ausschlußkriterium. Ansonsten hat natürlich ein primär rotierender Elektromotor gegenüber einem Hubkolbenmotor Vorteile, die auch ein primär rotierender Wankelmotor verbrennungstechnisch nicht erreicht. Könnte man also den Fahrstrom preiswert, leicht und dauerhaft im Fahrzeug erzeugen, wäre ein Elektroantrieb eine hervorragende Lösung. Fahrdrahtgebundene Systeme bei Bahn, Straßenbahn und O-Bussen sind da den Verbrennern überlegen, aber absolut nicht für den individuellen Straßenverkehr umsetzbar. Ebenso hat die Brennstoffzellentechnik noch massive Nachteile und ist nicht allgemein praxistauglich.

    Also werde ich meine Verbrenner pflegen und nutzen, um dann in einigen Jahren auf einen "25km/h-Aufsitzrollstuhl" umzusteigen, sollte es kein Benzin mehr geben. Alter hat halt auch Vorteile ... :D

  • viele Li-Akkus noch immer ein Problem mit dem thermischen Durchgehen haben

    Viele ist relativ, zumindest im Vergleich zum Verbrenner brennen deutlich weniger Elektroautos, genauer gesagt ist es 60x wahrscheinlicher das ein Verbrenner brennt, als ein BEV. Hybridfahrzeuge brennen am häufigsten.

    Quelle

    Falls Du mit dem "thermischen Durchgehen" magische Selbstentzündung meinst hätte ich mal gerne einen Beleg dazu. Und komm jetzt nicht mit Temu Haarglättern oder so.

    Wer da aber immernoch Angst hat und mit wenig Reichweite klar kommt nimmt halt ein Auto mit LFP Akku. Sicherer kann man nicht im PKW unterwegs sein.

  • Viele ist relativ, zumindest im Vergleich zum Verbrenner brennen deutlich weniger Elektroautos, genauer gesagt ist es 60x wahrscheinlicher das ein Verbrenner brennt, als ein BEV. Hybridfahrzeuge brennen am häufigsten.

    Quelle

    Falls Du mit dem "thermischen Durchgehen" magische Selbstentzündung meinst hätte ich mal gerne einen Beleg dazu. Und komm jetzt nicht mit Temu Haarglättern oder so.

    Wer da aber immernoch Angst hat und mit wenig Reichweite klar kommt nimmt halt ein Auto mit LFP Akku. Sicherer kann man nicht im PKW unterwegs sein.

    Das Netz ist voll von Beispielen hochgehender Li-Akkus. Anders als ein Brand eines Benzin- oder Dieselfahrzeugs explodiert ein Li-Akku förmlich und ist kaum zu löschen, da er extreme Temperaturen entwickelt und die reagierenden Stoffe direkt im Akku vorhanden sind, während ein Treibstoffbrand Sauerstoff von außen benötigt. Da die Anzahl der BEV und Hybriden gegenüber der Anzahl an Verbrennern noch immer verschwindend gering ist, geraten natürlich weniger Akkufahrzeuge in Brand.

    Mit neueren Akkus mag das Explosionsproblem gelöst sein, die anderen Schwächen der BEV existieren aber weiterhin. Und beim derzeitigen Energiemix fahren sie auch zu einem großen Anteil mit Kohle(strom), also auch hier kein Vorteil zum Verbrennermotor. Einzig eine innerstädtische Emissionsvermeidung mit Verlagerung ins Umland, wo die Kraftwerke stehen, bringt in großen Ballungsräumen Vorteile.

  • Wenn ich meine ehrliche Meinung schreiben darf: Ich finde es schwierig jetzt über andere Automarken hier zu diskutieren, ich bin ja nunmal wegen Suzuki hier.

    Neue EV-Automarken gibt es mittlerweile soviele, ich habe als alter Sack den Überblick verloren. Neulich habe ich das erste Auto von Leapmotor gesehen. Die werden gerade über den Preis in den Markt gedrückt. So bin ich auch bei Suzuki gelandet. Deswegen fand ich den Kleinwagen ganz interessatnt. Aber TROGG? Nie gehört und gesehen, auch beim Surfen nie drüber gestolpert. Also wenig Marketing und nur kleines Händlernetz. So wird das dann nichts, außer über einen sensationellen Preis und langer Garantie.

    Ich habe keinerlei Vorbehalte gegenüber der Türkei als Herstellungsland, mir geht es nur um Marktdurchdringung oder Sichtbarkeit. Das Haben BYD, Link etc. hinbekommen. Und China war mir vor ein paar Jahren als Herstellungsland genauso unbekannt wie heute die Türkei.

    SX4 2.0 ddis 4X4 2011; Vitara Benzin Allgrip A/T 2017; Ignis 1.2 Allgrip 2019; Vitara 1,4 M/T Allgrip 2020

    Vitara 1.4 M/T Allgrip 2025

    Ignis Allgrip 2022

  • Ich habe keinerlei Vorbehalte gegenüber der Türkei als Herstellungsland, mir geht es nur um Marktdurchdringung oder Sichtbarkeit. Das Haben BYD, Link etc. hinbekommen. Und China war mir vor ein paar Jahren als Herstellungsland genauso unbekannt wie heute die Türkei.

    Wie man an den Verkaufszahlen sehen kann, funktioniert der BEV-Verkauf nur über Subventionen. Die müssen allerdings von allen Steuerzahlern gegenfinanziert werden. Um so schlimmer, wenn die Arbeitsplätze für die BEVs dann im Ausland sind, hier also nicht einmal Einkommens- und Körperschafts-/Gewerbesteuern erhoben werden können. Zölle stellen zwar staatliche Einnahmen dar, sind aber letztendlich auch auf den Endkunden umgelegte Beträge.

    Ein Produkt mit Vorteilen für die Käufer benötigt keine Subventionen. Mit Einführung der LED-Flachbildschirme verschwanden die klobigen Röhrengeräte schnell vom Markt, obwohl die Flatscreens deutlich teurer waren. Auch nutzt kaum noch jemand Tasten-Handys zum Telefonieren, auch wenn diese nur einen Bruchteil gegenüber einem Smartphone kosten.

    Demgegenüber sind die Vorteile eines BEV für die Kunden gering, die Nachteile überwiegen, so daß selbst mit hohen Subventionen die Käuferzahl gering bleibt und die westlichen Autohersteller ihre E-Sparten drastisch rückbauen. In der VRC wurden die Hersteller stark gefördert, mit der Folge, daß dort eine riesige BEV-Halde angewachsen ist und diese Stehzeuge nun unter Herstellungspreis in den (westlichen) Markt gedrückt werden, was die westlichen Hersteller weiter schwächt und hier, neben anderen Faktoren, Arbeitsplätze vernichtet.

    Nun könnte man sagen, mit dem Kauf eines Verbrenner-Suzukis fördert man auch nicht gerade den Arbeitsplatzerhalt bei VW oder Opel, aber zumindest zahlt dafür der Steuerzahler keine Subventionen und viele Fahrzeuge japanischer oder koreanischer Hersteller werden in Europa gebaut. Bekanntlich kommen ja fast alle Suzuki hier mittlerweile aus Ungarn. Die chinesischen BEV werden jedoch komplett in der VRC produziert und steigern dort das Bruttosozialprodukt. Gleiches gilt sinngemäß für Fahrzeuge aus der Türkei, die ebenfalls kein EU-Land ist, der Hersteller dort aber indirekt an den deutschen BEV-Kaufprämien partizipiert.

  • Was denkt Ihr: hat TOGG Potenzial, sich langfristig in Europa zu etablieren?

    Das hängt m. E. von den Ambitionen der chinesischen Hersteller auf dem europ. Markt ab. Aber die Ambitionen wachsen, und vor deren Fähigkeiten können/sollten/müssen sich auch die etablierten Europäer und Japaner/Koreaner in acht nehmen. Wie soll da ein vollkommen neuer Player auf diesem Markt zum Zuge kommen? Somit aus meiner Sicht: Keine Chance, Geldvernichtung. Und der - relativ abgeschottete - türkische Heimatmarkt ist m. E. deutlich zu klein und zu arm an Kaufkraft, um rentable Stückzahlen liefern zu können. Ich schätze: Ähnlich wie in der Elektronikbranche wird es in zehn oder zwanzig Jahren evtl. noch einige der uns bekannten Automarken geben. Aber mit den Herstellern und Eigentümern von heute werden diese nicht mehr viel gemein haben, und die Zentralen werden sich in China befinden.

  • Wie üblich kommt es auf mehrere Faktoren an, die sie alle im Griff haben müssen:

    • Qualität: Eine AutoBILD muss einigermaßen beeindruckt sein, sonst hat man mit der Springerpresse und deren Leserschaft schon keinen guten Stand. Viel geschaltete Werbung schadet nicht.
    • Design: gefällig, nicht zu abgehoben, aber auch nicht komplett beliebig.
    • Marketing: Jaguar und Daewoo haben gezeigt, wie es nicht geht. BYD hat's irgendwie hinbekommen, auch wenn ich jetzt nicht bewusst Werbung mitbekommen hätte (nur dass etliche davon rumfahren - und dass mir die überhaupt aufgefallen sind: siehe Design).
    • Verfügbarkeit: Das mag mittlerweile vielen egal sein, aber wenn ich ein halbes Jahresgehalt (oder mehr) für was ausgebe, soll das auch "passen" - sprich ich will eine Probefahrt und das Ding rundum ansehen.

    Da hat mich GWM beeindruckt - die waren bei der Mobil-Messe letztens über einen Mitsubishi-Händler vertreten. Und haben mit dem Haval Jolion Pro ein Auto hingestellt, das die obigen Punkte fast alle abdeckt, bis aufs Marketing (der Name fließt jetzt auch nicht gerade von der Zunge): alles abgeklopft, solide verarbeitet, Format gut, praktische Lösungen, keine idiotischen Details (beim viel teureren Mitsu Outlander hat der doppelte Ladeboden ein längliches Loch als Griff... ein LOCH, Leute! Ein Kofferraumboden hat dicht zu sein! :cursing:), sogar ein Notrad ist dabei. Mein 1,93m großer Mitläufer hat dort die wenigsten Probleme beim Ausstieg vorgefunden (sonst hakelte es immer irgendwo zwischen Lenkrad, Lenksäule und B-Säule) - eine Disziplin, an der sämtliche rumstehenden Kias und Citroens scheiterten. (An VW hab ich ihn vorbeigelockt. Aus Prinzip. An BMW aus Preisgründen. Und viel mehr war nicht da.)

    Ob TOGG das auch kann? Warten wir's ab. Als BEV haben die viel Konkurrenz und eine eher kleine Käuferschicht, das wird also spannend. Politisch ist die Türkei der VR China jedenfalls nicht wirklich überlegen.