Wie während des Unfalls verhalten ?

  • Klar nachm Unfall soll man direkt alles absichern und sichum Verletzte usw kümmern und den Notruf anrufen! Alles gelernt und erste Hilfe mäßig bin ich auch top fit :)


    Doch was mach ich eigentlich, wenn ich z.b. sehe, dass es gleich ordentlich knallt ? Gibt es bestimmte "Haltungen" ect, die einem die Überlebenschancen verbessern ? Ich glaube wir haben hier ja einige Rallye Fahrer unter uns. Die haben sicher mal irgendwas darüber gelernt oder gehört!

    Ich frage mich schon länger, ob ess z.b. gut ist sein Gesicht mit den Armen zu schützen wegen des Airbags usw.

    Also gibt es da bestimmte Haltungen oder Bewegungen, die man (falls man noch Zeit hat) ausführen sollte ? Schließlich ist das sozusagen die Grundvorraussetzung um überhaupt noch jemand anderem zu helfen....

    Danke schonmal :) Falls es wichtig ist: Ich habe Hosenträgergurte, Beifahrer und Fahrer Airbag und benutze zu den Hosenträger Gurten (also oben drüber) noch die Standart Gurte! Doppelt hält besser :thumbup:

  • Hände weg vom Lenkrad (oder zumindest nicht ins Lenkrad greifen) und nicht die Hände vors Gesicht halten, der Airbag knallt dir ansonsten deine Arme mit mehreren hundert Km/h ins Gesicht und bricht dir alles was brechen kann...
    Wenn du die Daumen im Lenkrad lässt, findest du die danach an deinen Ellenbogen :wacko:

    Wichtig ist vor allem die richtige Sitzposition vor dem Unfall, also Lehne möglichst aufrecht, Arme und Beine (bei getretener Kupplung) nicht durchgestreckt...Wenn die Sitzposition nicht stimmt, sind die Folgen umso gravierender, was bei einem Unfall passiert, sind eh meist Reflexe oder Zufälle (es sei denn, man macht sowas regelmäßig)

    Gruß Sven[b]

  • Naja ich bin so sau klein, dass ich mit meinem Kopf noch ein Stück unter dem Ende der Rückenlehne bin also wird da glaub ich nich viel passieren :) hehe! :D

    Ist das Dach vom Baleno so sau unstabil ? Über einen Käfig hab ich sowieso schon länger nachgedacht.....

  • Achja und die Hände nicht zu früh vom Lenkrad nehmen, sonst kann dein Fahrzeug mal ganz schnell in eine ungeahnte richtung gehn

    genau nicht zu früh, aber versuch dich nicht mit den Händen gegen die Kräfte zu stemmen, die Kräfte die bei einem Unfall (Überschlag, Bordsteinkontakt etc.) am Lenkrad zerren kann niemand halten, auch Terminator nicht :D

    Gruß Sven[b]

  • Beispiel: Beim Formel1 -Rennen am vergangen Sonntag, bei dem es unmittelbar nach dem Start zu einem heftigen Crash gekommen ist, hat man z.B. anhand der "OnBoard" -Kamera von Lewis Hamilton sehr schön erkennen können, wie er in Bruchteilen von Sekunden die Hände weg vom Lenkrad genommen und diese verschrenkt (mit Kraft) in den Schoß "gelegt" hat - exakt so zu sehen auch im Videobeitrag von dadomlFTW... denn wie sehr das Lenkrad durch die massiven Einschläge hin und her rotiert ist, hat man sehr gut im Anschluss erkennen können. Allein durch das Festhalten wäre ihm bestimmt etwas passiert. Ebenso wäre es fatal gewesen die Hände frei "herumfliegen" zu lassen... Hierfür gibt es von SPARCO z.B. sog. "Arm Restraints", die die Arme bei einem Überschlag im Cockpit zurückhalten.


    Beste Grüße,
    Fabian

  • Eventuell auch kurz vor dem Unfall "entspannen". Bei einem 1.Hilfe Kurs habe ich mal eine interessante Geschichte gehört. Bei mir in der Nähe gibt es eine Stelle, wo es sehr häufig zu Unfällen kommt, eigentlich ist das Geschwindigkeitsbegrenzt, aber naja, manche meinen, sie müssen unbedingt da schnell fahren. Ein erfahrener Fahrer liegt nach einem Unfall mit Überschlag im Krankenhaus mit mehreren gebrochenen Knochen. Ein paar Wochen später fuhr eine mit Drogen vollgepummte Frau zu schnell da lang, überschlägt sich, sah fast genauso aus wie der Unfall zuvor. Sie hat lediglich ein paar Schrammen und blaue Flecke. Der Notarzt (unter anderen der 1. Hilfe Lehrer), konnte sich das nur so erklären, dass sie durch die Drogen so entspannt war, dass ihr nicht passiert ist.
    Wenn man sich verkrampft, brechen Knochen schnell (so der Lehrer).

  • Ich teile euch dann auch mal meine kürzlich gemachten Erfahrungen mit.

    Das allerwichtigste ist auch gleichzeitig das einfachste. ANSCHNALLEN und den Sitz RICHTIG einstellen. Dadurch hat man schon mal wesentlich bessere chancen, weil man dann eine stabile position hat und nicht von vorn nach hinten rumgeschleudert wird.

    Es ist von Vorteil, wenn die Fenster zum Zeitpunkt des Unfalls geschlossen sind. Wenn irgendwelche Körperteile durch einen Überschlag oder sonstwas nach draussen hängen, will ich mir garnicht ausmalen, was damit passiert.

    Die Hände vors Gesicht zu halten ist wohl in vielerlei Hinsicht fatal.
    Erstens verliert man durch zu frühes loslassen des Lenkrades vollkommen die Kontrolle, die vielleicht den Unterschied zwischen Graben und Baum macht. Festklammern würd ich mich daran allerdings auch nicht, siehe oben.

    Ich hab mich mit dem Arm damals auf der Türverkleidung abgestützt. Das hat (in Zusammenarbeit mit den Sportsitzen) verhindert, dass der Oberkörper unnötigen Bewegungen ausgesetzt ist und dass der Kopf gegen die Scheibe und das Lenkrad schlägt. Die Hände kann man vielleicht bei einem fünfpunktgurt in den Schoß legen, aber bei nem normalen sollte man tun was man kann, um sich festzuhalten :) wenn auch ned m Lenker.

    Ich kann mich auch erinnern, dass ich mich mit den Füßen so gut wie möglich in den Sitz gedrückt hab. Hat beim Überschlag sehr viel gebracht, war aber eher eine Instinkthandlung als das Ergebnis von Unfallforschungen ^^

    Dass volle Entspannung was bringt kann ich mir ehrlich gesagt garnicht vorstellen, vor allem wenn das Auto nicht sofort zur Ruhe kommt. Man würde da wohl überall dagegenknallen, wenn man sich nicht festhält.

    Ich meine, dass man sich über das Dach keine großen Sorgen machen sollte - aus zwei Gründen:
    1. hats das Dach über meinem Kopf ziemlich weit eingedrückt ( mindestens 15 cm ) und ich bin trotzdem nicht angestoßen, dank gurtstraffer
    2. Kann man hier sowieso absolut nichts machen.

    Letztendlich kann einem sogar das Handy in der vorderen Flaschenhalterung einen blauen Fleck verpassen, wenns einem auf den Kopf fällt, aber das ist was anderes ^^

    Bei meinem Unfall haben sich auch das Handschuhfach und das Ablagefach im Armaturenbrett geöffnet und entleert - ich hatte nur Sonnenbrille und Bedienungsanleitung da drin, aber mit ner vollen glasflasche weiß ich auch ned, was passiert wär. Ich würd im Auto keine mitnehmen - nur plastik.

    Man sollte auch Ruhe bewahren ( muss man sowieso immer), wenn sich der Gurt nicht so leicht wie gewöhnlich öffnen lässt - speziell wenn man in selbigem einen Meter über dem Boden hängt. Er geht immer noch auf, nur schwerer.

    Speziell beim dreitürer ist es auch so ne Geschichte, bis man die Tür offen hat und draussen ist, wenn das Auto seitlich liegt. Sie sind einfach relativ schwer und man kann sie nicht richtig offen halten, wenn man grade rausklettert.
    verkeilt oder deformiert ham sich die türen in meinem Fall jedoch nicht, die erscheinen mir doch relativ stabil und ließen sich öffnen und schließen, als sei nichts passiert...
    Ich glaube, dass man sich notfalls sogar noch auf die elektrischen fensterheber verlassen kann. Hätte ich jedenfalls gekonnt, sie haben noch einwandfrei funktioniert.

    Sehr praktisch ist es auch, wenn man sich die Notfallnummer von Suzuki/ADAC+Händler bereits vorher ins Handy speichert. Nach dem Unfall nochmal ins Auto zu klettern und das Handschuhfach zu suchen ( ich habs dann ganz rausgenommen weils eh schon egal war) is nämlich nicht besonders toll.

    Wenn irgendeine Scheibe bricht sind auch überall kleine Glassplitter. man sollte sich die zeit nehmen, die so weit wie möglich von den Händen und Handy etc. wegzubekommen. die schneiden nicht, aber sind im Auge vermutlich auch ned so prickelnd.

    Das Warndreieck inklusive Reifenreperaturkit ist im normalfall auch nicht mehr da, wo man es vermutet.

    Und zum Schluss noch ein Geheimnis: Man kriegt von Suzuki eine sehr praktische sms, die einem in der Wartezeit auf den Abschlepper die Fragen beantwortet, die man während des Anrufes bei der Hotline zu stellen vergessen hat. Aber das darf dann jeder für sich entdecken, der das zweifelhafte Vergnügen hat.

    Alles in allem würde ich sagen:
    Immer anschnallen und die Sitzlehne nicht zu weit hinten haben.
    Nichts im vorderen Fahrzeugbereich aufbewahren, das gefährlich werden könnte (so ein S2 tut zwar weh, aber ist nicht schlimm. Eine Volle glasflasche bricht dir vielleicht den Schädel)
    Dann so gut wie möglich festhalten, Augen zu und durch. Ab einem gewissen Punkt kann man einfach nichts mehr tun und muss abwarten, was mit einem passiert.


    Noch die Hinweise zur Sitzeinstellung:

    1. Wenn die Schultern Kontakt zur Rückenlehne haben, sollte das Handgelenk bei durchgestrecktem Arm auf der Lenkradoberseite aufliegen.
    2. Bei durchgetretener Kupplung sollte das Kniegelenk auf keinen Fall gerade durchgestreckt sein, sondern immer ein bisschen angewinkelt bleiben.
    (sonst kann es bei einem Aufprall nicht "einklappen" und du brichst dir mehr, als dir lieb ist)
    3. Den Gurt so einstellen, dass er zwar auf der Schulter aufliegt, aber nicht so, dass er am Hals scheuert. Aber das sollte man auch während der normalen Fahrt bemerken.

    Fazit:
    Jeder Unfall ist anders und ein großer Teil davon ist einfach Zufall. Ich hab zum Beispiel nur ca. 30 sekunden vor meinem Unfall beide Fenster geschlossen, weils mir zu kühl wurde.
    Aber das was man machen kann, muss man auch machen - hier kann man das meiste für sich und andere "rausholen". Denn anschnallen kann man sich nicht mehr, wenns zu spät ist.

    4 Mal editiert, zuletzt von m9b (5. September 2012 um 22:17) aus folgendem Grund: Details ;)

  • Alles Richtig, besonders das mit dem F1-Crash. Man muss wissen wann man nichts mehr machen kann.
    Aber eine Frage hab ich, warum schnallst du dich mit Schroths an und mit dem Seriengurt??
    Die Systeme arbeiten gegeneinander und unterstützen sich nicht. Das kann ziemlich gefährlich werden. Da die H-Gurte vom Onkel Schroth das ASM haben, wirst du bei einem Unfall mit dem Oberkörper richtung Innenraum gelenkt. Der Dreipunkt verhindert genau das. Dann Antisubmaring. Das wird eher noch durch die 2 Beckengurte unterstützt, nicht verhindert.
    Entscheide dich, wie du angeschnallt sein willst. Soweit ich weiss, ist es sogar verboten, beide Systeme gleichzeitig zu nutzen, schau mal in der ABE.
    Wie den Hosenträger-Gurt richtig einstellen?
    Das Beckenteil muss straff sitzen, es darf maximal die Hand dazwischen passen. Hosenträger müssen straff anliegen und gleich lang sein. Das bedeutet, wenn man sich nach vorne lehnt und in der Sperre des Automaten hängt, sollte man mit dem Oberkörper nicht schräg sitzen.

    Wenn du was richtig richtig gutes willst, empfehle ich dir die Gurte von Sabelt in 6-Punkt-Ausführung. Da dauert das festbinden zwar etwas länger, aber du hast erprobte Rennsport-Technik in Verbindung mit dem dann notwendigen Vollkäfig und einer Carbon-Schale am besten von dem netten Herrn Recaro. Kost zwar alles in allem so 6000 Euro, aber dich juckt es auch nicht ob der Eierbag zündet oder nicht, der Gurt lässt dich dort eh nicht rein...


    Ach noch was, lass die Daunenjacke weg!!! Sweatshirt ist immer noch das beste...

    Jeder Tag ist ein neuer Anfang. Jede Nacht eine neue Versuchung...

    Einmal editiert, zuletzt von Treelo75 (7. September 2012 um 00:28)

  • Also in der ABE steht nichts von anderen Gurten drin aber eigentlich ist es auch logisch....

    Welche Gurte sind denn sicherer ? Ich würd sagen die "Renn"gurte, oder ?

    Danke für die gaaanzen Tipps! Also hier nochmal die Sachen zusammengefasst!
    Allerdings sind das alles so viele Tipps, dass ich die im Unfall sicher nicht alle beachten werde.

    Gut zu wissen ist aber: Wohin mit den Händen ? Denn die kann man schon am Körper halten das wird bei einem Unfall kein Problem sein denke ich. Auch die Beine benutzen um sich in den Sitz zu pressen wird denke ich automatisch geschehen (und bei meinen knall eng eingestellten 4 Punkt Gurten glaub ich nicht viel nutzen aber schaden kanns auch nicht).

    @mb9: Danke für den ausführlichen Bericht von deinem Unfall ! :thumbup: Super nett ... was für ein Auto war es denn damals ? Und dir ist echt gar nichts passiert ? Du konntest so wieder rausklettern ?

  • Es war ein sss von 2012. Passiert is das ganze am 1.September, also etwa vor ner Woche.
    Mir is rein garnichts passiert, bis auf eine winzige, kreisrunde Abschürfung am Ellenbogen und etwas Kopfweh am Tag dannach.
    Ich konnte also tatsächlich einfach so rausklettern.
    Is trotzdem kein schönes Gefühl, wenn vor der Windschutzscheibe Wiese ist und man sein Auto nach oben verlassen muss.

    Einmal editiert, zuletzt von m9b (7. September 2012 um 20:21)

  • @Kaffeeschrank:
    6-Punkt in Verbindung mit Vollkäfig und Rennschalen. Da brauchst auch keinen Airbag mehr, weil die Gurte dich garnicht bis dahin vor lassen.

    Wenn du diesen Aufwand nicht betreiben willst, Hosenträgergurte zum Beispiel von C.F.Schroth mit Aufrollautomatik und Sensor. Das ASM ist automatisch mit dabei. Aber die Gurte müssen für Fahrzeug und Sitz zugelassen sein, das solltest du beachten.

    Jeder Tag ist ein neuer Anfang. Jede Nacht eine neue Versuchung...