Für einen Tag hatte ich einen Jimny als Leihfahrzeug und natürlich auch zur Erprobung. Es handelte sich um ein schwarzes Sondermodell \"Style\".
Dieser hatte zusätzlich zur Serienausrüstung 205er Räder auf Alufelgen, eine lackierte Dachreling, Teil-Lederausstattung und Lederlenkrad innen und vielleicht noch einige Kleinigkeiten, die ich nicht entdeckt habe.
An Armaturenträger und Frontschürze erkennt man, daß es sich um die Facelift-Version handelte. In der Tat ist der Innenraum optisch ansprechender gemacht als die doch recht karge Armaturenlandschaft des Vorgängers. Warum man das in meinen Augen sehr angenehme rote Nachtdesign nicht konsequent auch für die Instrumentierung übernommen hat bleibt mir ein Rätsel. Zwar sehen die weißen Tachoskalen mit roten Zeigern ansprechend aus, die weißlich-lila Beleuchtung der Ziffern wirkt aber weder besonders edel noch für mich angenehm. Hier hätte mir die rote Beleuchtung des Ignis mehr gefallen.
Einige Details fielen mir ins Auge: Trotz teilweisem Einsatz von Leder an Lenkrad und Sitzen blieb es beim harten, kratzempfindlichen Plastik für die Seitenverkleidungen. Die Sitze sind angenehm, für mich groß genug und ausreichend hinsichtlich Polsterung und Seitenhalt. Im Stoffbereich der Sitzflächen schwitzt man aber sehr schnell. Die Übersicht ist gut, man sieht wo das Auto vorn und hinten zuende ist und selbst das Reserverad an der Hecktür störte mich nicht wirklich. Gefallen haben mir die riesigen Außenspiegel und das damit große Sichtfeld.
Vermißt habe ich dagegen eine Verstellmöglichkeit in der Höhe für das Lenkrad. Es lag für mich nicht griffgünstig genug. Dafür Kompromisse bei der Sitzeinstellung einzugehen ist unkomfortabel weil ich entweder sehr weit vorn sitzen oder die Sitzlehne sehr steil stellen müßte. Gesucht habe ich eine Uhr im Innenraum - und zufällig die dauerhaft mögliche Uhrzeitanzeige im Clarion-Radio gefunden. Nicht wirklich schön, ein billiges LCD-Display im Zentralinstrument wäre sicher machbar gewesen und hätte keine Unmengen mehr gekostet. Hinten mag ich außer Kindern niemand sitzen lassen. Sowohl beim Einsteigen, als auch beim Sitzen ist Gelenkigkeit gefragt. Vorn hat man dagegen üppig Platz.
Das Radio ist sehr gut, hat mit der lang ausgezogenen Dachantenne einen herausragend guten Empfang. Das CD-Laufwerk ist schußfest. Es spielt CD-R und -RW, jedoch keine mp3-CD\'s. Auch die Bedienung gibt keine Rätsel auf. Hinten hatte der Jimny keine Lautsprecher. Die vorn gingen soweit okay, hatten nur durch etwas schwache Höhenwiedergabe eine nicht optimale Sprachverständlichkeit. Angenehm aufgefallen sind mir dafür die recht geringen Wind- und Fahrgeräusche im Innenraum - die hätte ich deutlich lauter erwartet. Und dafür mag man für normale Ansprüche die Musikanlage als ausreichend laut bezeichnen.
Der Kofferraum ist winzig und faktisch für nichts zu gebrauchen. Eine Schachtel Bier paßt mittig hinein, die ausgebeulte Innenverkleidung der Hecktür nimmt viel Platz weg.
Nun zum Fahrverhalten! Die 86 Benziner-Ponys mühen sich wirklich, die Fuhre angemessen in Bewegung zu bringen. Sie tun es laut und deutlich wenn sie gefordert werden, sind aber sonst sehr leise. Im Stand hört man nicht ob der Motor läuft oder nicht. Im Antrieb verpufft wahrscheinlich ein großer Teil der Kraft des Motors. Als (heckgetriebener) 2WD ist er minimal spritziger, als 4WD aber deutlich neutraler zu fahren. Mit der 4WD-Low Untersetzung bin ich nur mal kurz auf einem Waldweg und einer (nassen) Wiese gefahren. Er kann aber sicher mehr!
Auf der Straße merkt man dagegen die Nachteile zweier Starrachsen, des sehr kurzen Achsabstandes sowie der sehr hohen Karosserie. Der Jimny möchte mit harter Hand gefahren werden. Er zeigt genau, was er nicht mag - macht es aber trotzdem. Kurven sollte man besonders bei Nässe vorsichtiger fahren als mit anderen Autos. Bis etwa 110 km/h geht der Geradeauslauf noch okay, darüber hüpft und springt der Wagen und ich fand das nicht mehr so entspannt fahrbar. Angesichts der doch sehr deutlichen Empfindlichkeit für Seitenwind habe ich es dabei belassen und bin nicht schneller gefahren. Gewöhnungsbedürftig ist die Federung bei Bodenwellen, Bahnübergängen und anderen Unebenheiten. Man weiß nie, wo man danach landet...
Enttäuscht war ich von den Bremsen. Vorn nicht belüftete Scheiben, hinten Trommeln. Die Bremsleistung geht so zwar in Ordnung, ist aber thermisch bereits völlig vorgeschädigt. Ich bekam den Wagen mit etwa 1 Tkm auf dem Tacho - und bereits ausgeglühten Bremsscheiben.
Der Verbrauch lag mit gut 10 l etwas über dem, was angegeben ist, dürfte aber angesichts des kraftfressenden Antriebs noch in Ordnung sein. Interessiert hätte mich der von Renault zugekaufte Dieselmotor. Er dürfte mit dem Allradantrieb deutlich besser harmonisieren.
Fazit für mich: Kein Auto, das ich jetzt unbedingt sofort kaufen würde. Die Fähigkeiten im Gelände, die ich dem Jimny zutrauen würde, nutze ich wohl nicht ansatzweise. Dafür müßte man auf der Straße zuviele Abstriche beim Fahrkomfort in Kauf nehmen. Und als reines Straßen- oder Stadtauto in Kleinwagengröße würde er mir einfach zuviel verbrauchen. Der winzige Kofferraum fällt in die Rubrik \"No, never!\", die hinteren Sitze könnte man fast zugunsten eines größeren Laderaumes einsparen.
Aber so mal ein interessantes Erlebnis und ein nicht alltägliches Auto. Danke an den Händler und an den Jimny, daß beide mich ertragen haben...