Meine Mama fuhr ihren Fiesta 1.1, den sie 1994 neu gekauft hatte, bis 2003. Zum Schluß hatte er geschätzte 200 Tkm runter.
Zu den Fakten: Der Motor sollte 37 kW bzw. 50 PS leisten. Wir haben nie herausgefunden, unter welchen Umständen diese unglaubliche Leistung von dem Motor abgegeben werden sollte. Beschleunigung war für die noch verhältnismäßig leichte Karosse annehmbar, die mit Mühe erreichbare Vmax von ca. 140 km/h nicht unbedingt. Zwar hatten damals auch Leute aus meinem Freundeskreis einen Fiesta 1.1, die fuhren aber alle mindestens Tacho 150. Na egal!
Für den Fiesta spricht die für seine Zeit sehr gut wirkende Bremsanlage, die für Stadtverkehr und Landstraße schon als \"bissig\" bezeichnet werden kann. Nutzt man sie entsprechend auch auf der Autobahn, so sind nach der 2. oder 3. kräftigen Bremsung die (nicht innenbelüfteten) Scheiben krumm.
Ab etwa 1993/94 gab es Fahrerairbags, für den Beifahrer kamen sie in den besser ausgestatteten Modellen ab 1996/97. ABS spielte keine Rolle, Servolenkung gab es erst überhaupt nicht, später gegen Aufpreis.
Die 1.1er Motoren gelten trotz ihres rauhen Wesens als anspruchslos und robust. Das Motorenkonzept mit über Stößelstangen und Kipphebel direkt von der Kurbelwelle gesteuerten Ventilen ist technische Steinzeit. Zwar müssen sie regelmäßig eingestellt werden, nur macht das praktisch niemand, da es teuer zu bezahlende Werkstattarbeit ist. Herausgestellt hat sich bei Mamas damaligem Fiesta, daß er um so besser läuft, je lauter er rasselt. Mit genau eingestellten Ventilen konnte der Motor sehr leise laufen, fuhr damit aber deutlich schlechter.
Öl nahm der Motor immer, man hätte auch 15 l je 1000 km verfeuern können. Wenn man ihn auf \"MAX\" auffüllte, dann war das innerhalb von 2 Tagen auch alle. Die dann verbliebenen ca. 1,5 l reichten dem Motor auch. Fakt ist: Die Motoren gehen mit vollsynthetischem Öl kaputt, wenn sie davor immer mineralisches Öl bekommen haben. Das synth. Öl löst Ablagerungen des mineralischen Öles, die sich dann in Ölförderbohrungen der Kurbelwelle ablagern und sie verstopfen. Folge: Kurbelwellen-Lagerschaden.
Weitere Schwachstellen: Rost (Schweller, kompletter Unterboden, Bereich um den Tankdeckel) und verschlissene Schlösser. Mit dem Mini-Facelift 1993 (Merkmale: kleinere Außenspiegel, Klappe vor dem Tankdeckel) wurde Verarbeitung und Korrosionsschutz deutlich verbessert, diese Modelle sollten daher die Wahl sein.
Ausgenudelte Schließzylinder verschleißen danach auch die Schlüssel. Sie lassen sich nur teuer nachmachen. Eine billige Zentralverriegelung mit Fernbedienung ist meist preiswerter und haltbarer als einen Schließzylinder neu zu kaufen. Die Zündschlüsser neigen zum Hakeln, hier hilft regelmäßig eine Dusche mit WD40 direkt in den Schließzylinder und der Verzicht auf jede Form von Gewalt. Wer die Schlösser mit Gefühl schließt, der kann sie über 10 Jahre benutzen - während mancher sie schon nach 3 Jahren geschafft hat.
Meine Empfehlung wäre aber eher der 1.3er mit 44 kW und 60 PS - wenn es denn unbedingt ein Fiesta sein soll. Der geht deutlich besser, hat für Stadt und Landstraße fühlbares Drehmoment - ist aber auch nicht ansatzweise sportinteressiert. Verbrauchsmäßig nehmen sich beide nicht viel. Moderat gefahren liegen sie bei 6 - 7 l in der Stadt, man kann beide aber auch auf über 10 l hochtreten. Für den 1.3er spricht, daß er zumindest zum Mitschwimmen auf der Autobahn langt - wo dem 1.1er bereits ab 120 km/h die Kraft fehlt. Der 1.1er fährt also den LKWs hinterher oder steht als \"Linke-Spur-Blockierer\" dem restlichen Verkehr im Weg.
Alternativen: Ein Opel Corsa mit 1.4er und ebenfalls 60 PS ist dagegen fast schon sportlich zu fahren. Drehmoment satt und von der Auslegung her ein drehfreudiger Motor, den man trotzdem sparsam bewegen kann. Ein etwa gleich alter VW Polo mit 1.3er und 55 PS hätte dann bereits eine sehr sparsam arbeitende Multipoint-Einspritzung und damit ein recht modernes Triebwerk. Diese Alternativen sind im Unterhalt ähnlich preiswert. Gleich alte japanische Alternativen sind - den Suzuki Swift mal ausgenommen - im Unterhalt deutlich teurer. Honda Civic oder Mitsubishi Colt waren damals technisch sehr modern - werden aber heute bei der Versicherung sehr hoch eingestuft.
Bedingt empfehlenswert könnten einige französiche Fahrzeuge werden. Citroen AX 1.0 und 1.1 (45 bzw. 60 PS) fressen fast nichts an Unterhalt, verballern aber bei häufigen Vollgasfahrten Zylinderkopfdichtungen. Peugeot 205/106 wären Alternativen, dann aber eher der 106er. Gleiche Motoren wie der Citroen AX, damit auch gleiche Probleme. Renault Clio können zuverlässig und haltbar sein, geht was kaputt sind sie extrem teuer.
Finger weg von Hyundai Pony, Seat Ibiza I und Fiat Uno/Tipo.