Beiträge von Shenmue

    Zitat

    Original von EssIksVir:
    Bzgl.: \"xW-60\" ...wieso \"overkill\"? Du meinst, das wäre \"zu gut\" oder wie?!


    Zunächst mal: \"Zu gut\" gibt es natürlich nicht, nur zu schlecht.

    Das Problem ist: Man muss immer einen Kompromiss eingehen. Einerseits soll das Öl beim Kaltstart schön dünnflüssig sein, damit es schnell an die Schmierstellen gelangt, andererseits soll es im heißen Zustand noch so dickflüssig sein, dass es einen stabilen Schmierfilm bildet.

    Das ideale Öl hätte daher bei allen Temperaturen dieselbe Viskosität, dünnt also mit steigender Temperatur nicht aus - physikalisch unmöglich. Ein idealer Kompromiss wäre z.B. ein 0W-60 - gibt es auch nicht.

    Man muss also wissen, welche \"Hochtemperatur-Viskosität\" (der Wert hinter dem W) ausreicht. Das ist als Laie natürlich nicht zu bestimmen, ein xW-30 scheint sich aber als sinnvoller Kompromiss herausgestellt zu haben, das ist die Viskosität, die meiner Beobachtung nach viele Werkstätten und Hersteller inzwischen bevorzugen. Nimmt man nun noch eine gewisse Sicherheitsreserve hinzu, kommt man auf xW-40. Mehr ist für 99,9% der Autos nicht nötig, mehr als die Reibpartner immer sicher zu trennen kann auch ein xW-60 nicht. Das meinte ich mit \"Overkill\". Dazu kommt der Nachteil der langsameren Durchölung beim Kaltstart, und des ggf. höheren Verbrauchs. Wobei der Einfluss des Öls auf den Verbrauch im allgemeinen sowieso überschätzt wird.

    Bei den typischen deutschen Wintern reicht \"vorne\" ein 5W aus. Das fließt auch im kalten Zustand noch schnell genug von allein zur Ölpumpe. Daher ist ein 5W-40 ein guter und günstiger Kompromiss. Oder halt ein 0W-40. Das aber nicht, weil es kalt noch dünner ist, sondern weil die allgemeine Qualität (die Viskosität allein ist ja kein Qualitätskriterium) bei diesen in der Regel noch besser ist, da z.B. vollsynthetisch.


    Zitat

    Original von EssIksVir:
    Allerdings wird vorher eine komplette \"Motorwäsche\" (innen) gemacht, sodass alles \"alte\" an Öl vollständig raus kommt... d.h. ich muss auch gleich 2L mehr einkaufen... (also 6L insgesamt).


    Klingt seltsam. Eine Motor-Innenreinigung wird normalerweise mit dem alten Öl gemacht. Oder soll der Motor mit diesen zusätzlichen zwei Litern nur \"ausgespült\" werden? Eigentlich auch unnötig. Das bisschen Altöl, das im Motor immer zurückbleibt, ist kein Problem. Und mischen kann man alle Öle untereinander, für eine \"Umölung\" ist also nichts besonderes zu beachten.

    Hallo Freunde!

    Nochmal zurück zu den Motorölen, da bei mir wieder ein Wechsel ansteht.

    Hier die offiziellen Quellen:

    Scheckheft:
    - Viskosität:
    -- über 0°C: SAE 15W-50, 20W-50.
    -- über -15°C: SAE 15W-40, 10W-50.
    -- unter -15°C: SAE 10W-30, 10W-40, 10W-60, 5W-40, 5W-50.
    Spezifikation:
    -- Otto: min. API SH
    -- Diesel: min. API CF.

    Handbuch:
    - Viskosität: SAE 0W-20, 5W-30, 10W-30, 10W-40. Die 10W-Öle nur für Temperaturen über -20°C. Empfohlen wird 0W-20! 8o
    - Spezifikation: Min. API SG. (Eine Dieselnorm, also API Cx, ist überhaupt nicht angegeben. :d_gutefrage:)

    Die offiziellen Angaben sind also ziemlich unausgegoren. Ich würde aber die Angaben im Handbuch vorziehen, sie sind aktueller (2009 zu 2003) und modellspezifisch.

    Was die geforderten Spezifikation betrifft, kann man praktisch jedes Öl benutzen. Die amerikanischen API-Normen erfüllt hierzulande wirklich jedes Salatöl. :d_zwinker: Für Europa sind die strengeren ACEA-Normen üblich.

    Daher zum Vergleich die Angaben des motorisch identischen Bruders FIAT Sedici: API SL oder ACEA A3 (Otto), API CF oder ACEA B4 (Diesel). Eine Viskosität wird gar nicht gefordert, nur zwei bestimmte Produkte (jeweils 5W-40) empfohlen.

    Meine Vertragswerkstatt hat beim letzten Mal übrigens ein 5W-30 nach API SL und ACEA A5 von Toyota (!) eingefüllt, demnächst bekommt mein Suzi aber ein anderes Öl. 0W- oder 5W-40 nach ACEA A3/B4.

    Von extremen Leichtlaufölen wie einem 0W-20 halte ich persönlich gar nichts. Es stimmt zwar, dass das dünnste Öl, das gerade noch ausreichend schmiert, das beste ist, aber ich bin nicht bereit, langfristig einen höheren Verschleiß zu riskieren. Nicht zugunsten eines Minderverbrauchs, der sich allenfalls auf dem Prüfstand einstellt, nicht aber in der Praxis.

    Zitat

    Original von Tomboy Kamikaze:
    wer viel autobahn und mit viel drehzahl fährt, sollte auf motorradöl zurückgreifen... das ist für hohe temperaturen und hohe drehzahlen ausgelegt. ich hab z.b. im baleno 20w60 von motul drinne und bin vollstens zufrieden


    Der Grund, warum es spezielle Motorradöle gibt, sind nicht (nur) deren höhere Ansprüche an das Öl. Selbst hochdrehende Rennmaschinen würden gute PKW-Öle vor keinerlei Probleme stellen. Der Hauptgrund ist die Ölbad-Kupplung vieler Bikes. Vereinfacht gesagt: Moderne PKW-Öle schmieren so gut, dass diese durchrutschen würde. Motorradöle sind also Kompromisse, die man als PKW-Fahrer überhaupt nichts eingehen muss. Deshalb: Keine gute Idee.

    xW-60-Öle sind für 99,9% der Autos eh Overkill. xW-40 reichen in aller Regel völlig, xW-30 sind heute der Standard.

    Ein 20W-xx würde ich ganzjährig gar nicht fahren. Gieße von dem Zeug mal etwas in einen Becher, und stelle den ins Gefrierfach. Dann lass es durchkühlen, und sag mir, ob Du einen solchen \"Klotz\" (flüssig ist das nämlich dann nicht mehr) wirklich beim winterlichen Kaltstart in Deiner Ölwanne haben willst...

    Gutes Öl muss auch im Winter so fließen: :i_drink:

    :)