Gespart wird inzwischen überall - manche Hersteller verstecken es besser, manche weniger. Du wärst z.T. überrascht wo bei den selbsternannten Premiumprodukten inzwischen nach der Grundierung kein Lack mehr hinfindet.
Bei Suzuki hingegen ist das eine Philosophie - mit der sich logischerweise nicht jeder arrangieren kann: es wird statt immer mehr komplizierter Technik einfach weniger Gewicht verbaut. Ein Leergewicht von ca. einer Tonne schafft heut kaum noch einer, es muss ja trotzdem noch deutlich mehr Zeugs verbaut werden als früher, wo das normal war...
Ich vergleiche den Ignis MF (der mit dem Swift technisch ja sehr nahe verwandt ist, eigentlich nur flexibleren Platz und eine höhere Sitzposition bietet) gerne mit einem Golf 2:
- 1.3 Vierzylinder
- Saugrohreinspritzung
- 5 Gänge
- so viel Platz im Motorraum, dass ein Arm ganz durchpasst
- Hartplastikverkleidungen
- Nadelfilz-Bodenbelag
- Hutablage an 2 Schnüren
- kein Licht im Kofferraum
- Visco-Kupplung (beim Allrad)
- Seilzughandbremse
- Seilzugkupplung
- Trommelbremsen hinten
- Starrachse (beim Allrad)
- mittig geteilte Rückbanklehne (50/50)
Auch die Innenmaße, bis vielleicht auf die Höhe, sind nahe dran - die schräge Heckscheibe sowieso.
Wo liegt dann der Fortschritt? Na ja, unter anderem:
- Mild-Hybrid (je nach Baujahr/Ausstattung)
- grafisches Display (weiß) für Bordcomputer
- Cupholder und 2l-Flaschen-Ablagen
- Start-Stop-Automatik
- Keyless Go mit Startknopf (Comfort+)
- LED-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht und Automatik (je nach Baujahr/Ausstattung)
- Front-, Seiten- und Vorhangairbags
- Abstandwarner mit Notbremsassistent und Spurhaltewarner
Man bedenke zudem, dass ein Golf 2 niemals 'n 5-Sterne-EuroNCAP-Ergebnis geschafft hätte, im Gegenteil, dort hat man statt hochfester Stähle und mehrlagigem Türaufprallschutz lediglich eine recht lange Motorhaube gehabt. Den Rahmen hat's bei meinem Unfall 2001 (gerade mal in Anfahrgeschwindigkeit) dennoch verzogen: was bringt eine in sich stabile Haube, wenn der Türrahmen einknickt?
Und das alles macht gerade ~60kg Unterschied (Referenz: Golf 2 Syncro mit 1.8er 90 PS RP-Motor). Ist das gut? Ich finde, das ist gut.
Viel wichtiger: bringt das was? Ich denke schon. Der Praxisverbrauch hat sich fast halbiert, die Beschleunigungswerte auf dem Papier sind identisch.
Das Sparen hat also 'nen Grund.
Und ganz ehrlich - wenn die Verarbeitung und Qualitätsanmutung dafür "nur" auf dem 80er-Jahre-Niveau eines Golf 2 liegt und sich nicht deutlich von diesem unterscheidet, bin ich trotzdem zufrieden. Ich sehe ja auch, was es mehr kostet, wenn man das trotzdem haben will (einfach mal die Konkurrenzprodukte genauer ansehen). Ich kann drauf verzichten.
Dass ich ein paar Unzulänglichkeiten selber adressiert habe - die sicher wieder etwas Gewicht kosten, aber das im Praxisnutzen aufwiegen - ist ein anderes Thema. Mittelarmlehne, Türdämmung, mehr Farbe auf diversen Bauteilen, Gummimatten, eine andere Hutablagenlösung, doppelter Ladeboden, Wischerhebel mit regelbarem Intervall, Nebelscheinwerfer statt Funzeln, Motorhaubendämpfer, Hupe statt Tröte... geht alles besser als in der höchsten Ausstattungsvariante ab Werk möglich. Kostet aber nicht die Welt und auch nicht allzu viel Zeit.
Schutzwachs habe ich gleich bei km-Stand 600 machen lassen - das ist leider was, worauf nicht jeder Händler hinweist. Da bin ich ebenfalls der Ansicht, dass es zumindest als Option ab Überführung erhältlich bleiben sollte. Wir werden's aber wohl nicht erzwingen können...
Dazu 3 Anmerkungen:
- Im nicht ganz 3jährigen Dienstpolo meines Kollegen hat's gar keine Griffe drin. Was in einem Auto mit Teilleder, Lederlenkrad, DSG und noch'n paar Annehmlichkeiten schon sehr seltsam aussieht. Und wir wissen alle, dass die Dinger nicht wenig kosten.
- Für rund 40€ lassen sich 3 neue Griffe
mit einigermaßen Geschick leicht nachrüsten - das Schwierigste ist die Löcher in den Dachhimmel zu schneiden, die Haltesockel sind im Dach vorhanden. Man braucht nicht mal Schrauben.
- Das Kofferraumlicht im Facelift-Comfort+ ist zwar "nett", aber mehr auch nicht... meine Bastellösung mit chinesischen "Nebelscheinwerfern" (breite LED-Strips ohne Zulassung) gefällt mir wesentlich besser, weil die Position echt was ausmacht. Von der Dachkante aus wird nämlich nicht nur der Laderaum sogar in beladenem Zustand beleuchtet (OK die Pappendeckelhutablage könnte zwar stören, aber die taugt eh nix), sondern auch der Passagierraum, der ansonsten ein komplett schwarzes Loch ist. Gelernt aus den Erfahrungen mit diversen VWs (keine oder seitliche Lampen, aber wenigstens weiter oben... u.a. Golf 2/4), Hyundai (Tucson - auch seitlich und viel zu tief) und Mercedes (Deckenleuchten).
Fazit: Wer mit der Verzichts-Philosophie klarkommt und die Vorteile zu schätzen weiß, und die Nachteile in Kauf nehmen kann (oder selber dran arbeiten), ist bei Suzuki goldrichtig. Wer höhere Standards sucht, die dafür nicht unbedingt viel Praxisnutzen bringen (aber halt schöner aussehen), hat genug teurere Alternativen. Klingt vielleicht hart - ist aber nicht böse gemeint, und ich will Suzuki da auch nicht verteidigen; es ist lediglich eine Tatsachenaufzählung... die auch Wilhelm Hahne in seiner Motor-Kritik deutlich gemacht hat, als er den Ignis und den Jimny probefuhr: Man muss sich auf die Autos einlassen können, mit allen Einschränkungen.