Nun gut, als ehemaliger CSU-Wähler bin ich mir über die Bedeutung von "Rechts der Mitte" durchaus bewußt und sage sicherlich nicht, daß ein gewisser Stolz auf die eigene Heimat oder das Augenmerk zuerst auf innere Probleme, bevor man Milliarden in irgendwelche Rettungsfonds für bankrotte EU-Staaten pumpt was falsches wäre. Ganz im Gegenteil, Deutschland und vor allem Bayern ist schön und es geht uns im allgemeinen sehr gut (wir jammern halt auf erstaunlich hohem Niveau) und das soll auch bitte so bleiben.
Ich habe auch volles Verständnis dafür, daß man der bisherigen Politik den Rücken kehren und ein Zeichen setzen möchte. Und ja, als die AfD damals als Euro-kritische Partei auf der Bildfläche erschien, dachte ich mir auch, daß die eine "realistische" Alternative sein könnten. Aber eben durch rechtsextreme Mitglieder in Führungspositionen und deren Äußerungen -und ja, ich sage bewußt rechtsextrem, denn sowas als Konservativ oder meinetwegen ultrakonservativ abzutun wäre falsch- ist diese Partei einfach KEINE Alternative oder Option, selbst nicht aus Protest. Und auch wenn ich mich eigentlich davor scheue Vergleiche zum Dritten Reich zu ziehen, so ist es hier eben doch angebracht, da die Partei selbst immer wieder diese Parallelen zieht.
Und ja, den großen Fehler, den die etablierte Politik bisher begangen hat und und immer noch begeht ist, sich das Problem schönzureden, zu ignorieren oder gar den selben Kurs einschlagen zu wollen. Wenn "mein" Landeshorst großmäulig ankündigt einen Rechtsruck zu vollziehen (wie weit denn noch?!) und erklärt, er habe verstanden, möchte ich aufschreien "NEIN, hast Du nicht!" Und wenn man die Chance auf einen Neustart hat, dann muß man verdammt nochmal kompromissbereit sein, denn man hat schlicht und einfach den Auftrag unser Land zum Wohl von uns allen zu regieren, ob das nun bedeutet, daß ich dafür auch Europa stärken muss oder auch mal an der Grenze sagt, "Nö, geh nach Hause, wir sind voll" muß man im großen Ganzen sehen und eben auch mal über den Tellerrand des eigenen Parteibuchs schauen.
Ihr merkt schon, das ist ein Thema bei dem ich relativ unentspannt bin.
Dennoch muß ich bei meiner ersten Aussage ein wenig zurückrudern, denn sämtliche 13% der AfD Wählerschaft als rechtsradikal einzustufen war sicherlich ein emotionaler Schnellschuss. Vergleichen wir die bisherigen Wahlergebnisse der NPD kann man davon ausgehen, daß im Kern der AfD knapp 5% solche radikalen Weichflöten sind. Der Rest ist schlichtweg derart enttäuscht von unserer Bundesangie und dem Berliner Kasperletheater, daß sie den Weg des "extremsten" Protests gewählt haben. Ob das jetzt eine gute Entscheidung war, sei mal dahingestellt, ein Schock war es auf jeden Fall. Und sollte es tatsächlich dazu führen, daß unsere politische Obrigkeit dies als Weckruf nimmt und endlich mal zuhört, bevor sie verkündet, daß sie schon verstanden habe, dann könnte man jene Partei im Rückblick als "notwendiges Übel" bezeichnen und die Protestwähler als "Grundsteinleger" der deutschen Demokratie 2.0 ... Nun gut, da bin ich offen gesagt sehr skeptisch, aber wünschenswert wäre es allemal.
By the way:
Ich kann hier nur für mich sprechen, aber ich gehe davon aus, daß wir -auch wenn wir politisch mitunter anderer Meinung sind- uns im Suzuki bezogenen Teil weiterhin mit Rat & Tat zur Seite stehen. 